GESCHICHTS FORUM
Woher kommt der Stamm-Name der ,,Schwaben/Donauschwaben?
Der Stamm-Name der „Schwaben" kommt von dem Teilstamm der Alemannen, der den alten Namen der Stammgruppe „Sweben" (Schwaben) beibehalten hat. Der größte Teil ihres Siedlungsgebietes umfasste die deutsche Schweiz, das Elsass, Südbaden, Württemberg (ohne den Norden) und das bayrische Schwaben. Außerdem nannte man ursprünglich alle deutschen Ansiedler und ihre Nachkommen „Schwaben", die ab 1689 bis 1787 unter den Habsburgern Leopold 1., Karl VI., Maria Theresia und Josef II. und deren kaiserliche und ungarische Hofkammer sowie von geistlichen und weltlichen Grundherren im damaligen Südungarn der mittleren Donau und ihrer Nebenflüssen angesiedelt wurden.
Die Ansiedlung begann somit Ende des 17. Jahrhunderts und erstreckte sich über das ganze 18. Jahrhundert, wobei die Haupteinwanderungszeiten unter Karl VI. von 1722 bis 1726, unter Maria Theresia von 1763 bis 1772 und unter Josef II. von 1784 -1787, als die „Drei großen Schwabenzüge" bezeichnet werden.
Oskar Feldtänzer weist in Band 1 der „Donauschwäbischen Geschichte" – Das Jahrhundert der Ansiedlung 1689 - 1805 – darauf hin, dass viele der ersten Ansiedler aus Schwaben kamen, das in jener Zeit zu den vorderösterreichischen Gebieten gehörte, wo die Habsburger auch Landesherren waren. Das führte dazu, dass von den einheimischen Völkern später alle Deutschen als „Schwaben" bezeichnet wurden, auch wenn sie aus anderen Herkunftsgebieten kamen.
In der Zeit. der österreich-ungarischen Monarchie lebten insgesamt 1,5 Millionen und nach dem 1. Weltkrieg getrennt in Rest-Ungarn 650 000, in den Nachfolgestaaten Jugoslawien 550 000 und Rumänien 350 000 Schwaben, die offiziell als „Staatsbürger mit deutscher Volkszugehörigkeit" bezeichnet wurden.
Der Stamm-Name „Donauschwaben“ wurde erst im Jahre 1922 von dem Gelehrten Hermann Rüdiger (Stuttgart) und dem Geographen Robert Sieger (Graz) geprägt. Als zusammenfassenden Begriff für alle deutschen Ansiedler-Ahnen und ihre Nachkommen, die ab 1689 unter Habsburg im damaligen Südungarn, der mittleren Donau und ihrer Nebenflüssen angesiedelt wurden, haben wir ihn erst nach dem II. Weltkrieg in unser alltägliches Vokabular aufgenommen.
Dr. Georg Wildmann weist im Vorwort des Bandes II der „Donauschwäbischen Geschichte" von Dr. phil. Ingomar Senz darauf hin, dass der Begriff „Donauschwaben" als stammeskundliche, siedlungsgeographische, historische, volkskundliche Gruppenbezeichnung eingeführt wurde, um deren geschichtlich gewachsene ethnische Zusammengehörigkeit wissenschaftlich festhalten und sie von den Schwaben am Oberlauf der Donau abgrenzen zu können. Sie stellen einen neuen deutschen Stamm dar.
Aufgrund der Ereignisse nach dem II. Weltkrieg, vor allem im ehemaligen Jugoslawien, wohnen in der alten Heimat der „Schwaben/Donauschwaben" nur noch ein paar Tausend Deutsche. Fast alle Entrechteten, Enteigneten und Überlebenden leben heute außerhalb ihrer alten Heimat, davon die Mehrzahl in Deutschland und Osterreich. In der neuen Heimat sind sie entsprechend ihrem Herkunftsland in vier Landsmannschaften, nämlich in die Bundeslandsmannschaft der Deutschen aus Ungarn, der Donauschwaben aus Jugoslawien, der Sathmarer Schwaben und der Banater Schwaben aus Rumänien gegliedert. Darüber hinaus gibt es in Europa und Übersee eine Vielzahl weiterer Organisationen und Einrichtungen, in denen sie ihre Sitten und Gebräuche hegen und pflegen, wie das andere Landsmannschaften ebenfalls tun.
(aus Mitteilungen/Der Donauschwabe Okt 06)
Wildmann/Spiegel-Schmidt: Geschichte der Ungarndeutschen
Die Deutschen in Ungarn 1918-1996
Vorbemerkung
Die moderne Geschichtswissenschaft ist, sicherlich unter dem Einfluß der Soziologie, nicht mehr
damit zufrieden, die nach außen sichtbaren Abläufe darzustellen, sondern möchte der Frage
nachgehen, wie diese sich auf das Leben der breiten Massen auswirkten, von ihnen mitgetragen
oder erlitten wurden; wie sich hintergründig die Vorgänge von wirtschaftlich-gesellschaftlicher
Modernisierung in den Politisierungsprozessen widerspiegeln. Im Blick auf das uns beschäftigende
Thema ist dabei zu bedenken, welche Rolle - integrierend oder destruktiv, fördernd oder hemmend
- in diesen Prozessen dem Nationalismus in seinen verschiedenen Spielarten zukam. Dadurch hofft
man, im Unterschied zu einer "ritualisierten, zwanghaften Wiederholung von Emotionen, Vorurteilen
und geschichtlichen Konfliktsituationen", deren man die "Heimatgeschichtsschreibung"
der "Erlebnisgeneration" verdächtigt, eher zu einer gemeinsamen Beurteilung der jüngsten
Vergangenheit zu kommen.1Wir wollen im Folgenden diese Forderung, bzw. Kritik, durchaus
ernstnehmen. Sie befreit uns allerdings nicht davon, den Ablauf der Ereignisse möglichst genau
darzustellen - liegt doch der Teufel im Detail. Nur so entgehen wir der Gefahr, die in diesen neuen
Tendenzen verborgen liegt, daß die konkreten Ereignisse nur als Anschauungsmaterial für die neue
Thematik, womöglich eklektisch nach ihrer Verwendbarkeit dafür herangezogen werden. In diesem
Sinne wagen wir es, gleichsam zwischen Skylla und Charybdis, an die gestellte Aufgabe heranzu-
gehen. Wir können uns dabei erfreulich oft auf die Arbeit ungarischer Historiker berufen.
1. Die politische Konzeption Jakob Bleyers
1.1. Die beiden Artikel
Die bedeutendste Persönlichkeit der ungarndeutschen Geschichte von 1917 bis zu seinem Tod 1933
war Jakob Bleyer, 1874 in der später jugoslawischen Batschka geboren, seit 1911 Professor der Germanistik an der Budapester Universität. Nach seiner eigenen Aussage hatte er "seit
der Jahrhundertwende mit wachsender Sorgfalt alle Zeitungsberichte gesammelt," die das Ungarn-
deutschtum betrafen.2 Er war also über die ersten Versuche politischer Aktivität des Ungarn-
deutschtums in der Deutsch-Ungarischen Volkspartei und wohl auch in der Arbeiterbewegung
im Bilde. Nach langem Beobachten trat er mit einem gleichzeitig in der Budapesti Szemle und
in der im Deutschen Reich erscheinenden Deutschen Rundschau veröffentlichten
programmatischen Artikel in die aktive Politik ein.3 Er ging bewußt gegenüber den bisherigen
politischen Regungen einen dritten Weg.
Zugrunde liegt diesem die Überzeugung, daß das deutsche und das magyarische Volk für
immer aufeinander angewiesen sind. Dabei identifiziert er sich weitgehend mit den nationalen Zielen der ungarischen Politik einschließlich der Einschmelzung der Nationalitäten. Im Interesse dieser vorrangigen Schicksalsgemeinschaft verweigert er jede Gemeinsamkeit mit den übrigen - damals schon immer mehr im irredentistischen Fahrwasser schwimmenden - Nationalitäten Ungarns. Er nimmt auch die Assimilierung der deutschstämmigen Gebildeten in Kauf, die "eines der bedeutendsten staatserhaltenden Elemente in Ungarn" sind, die das Ungarntum zur Erhaltung der Staatseinheit unbedingt braucht, deren Behinderung es darum nie erlauben würde. Er sieht aber in diesen Assimilierten auch die "hingebendsten Förderer" des deutsch-ungarischen Bündnisses.
Darum lehnt er zunächst auch höhere deutsche Schulen ab. Sein Anliegen ist ausschließlich die Wiederherstellung der deutschen Volksschule in den Landgemeinden, da deren Magyarisierung nur zu "halben Analphabeten" führe. Allerdings meint er in einem Idealismus, der sich bald als trügerisch herausstellte, daß die assimilierte, meist extrem nationalistisch denkende Intelligenz ihrem Ursprungsvolk noch stark genug zugetan sein werde, um, wie er selbst, für dieses einzutreten. Entschieden wendet er sich dagegen, die damals zwei Millionen Deutschen Großungarns gewissermaßen als deutsche Provinz national zu organisieren.
Dieses bescheidene Programm ist die kulturpolitische Konsequenz seiner persönlichen Einstellung, mit der er sich seinen Lesern vorstellt: "Das südungarische deutsche Bauernvolk ist mein Volk, aber zugleich ist die ungarische meine Nation, das Band der Kultur, in deren Luft ich lebe und arbeite." Und: "Die Treue zu meinem Volk und die Liebe zu meiner Nation kamen miteinander nie in ernsten Gegensatz."
1. 2. Motive
Freilich bot der Germanistische Lehrstuhl einer ungarischen Universität einen einmalig günstigen, auf andere Lebenssituationen nicht übertragbaren Rahmen für eine solche Haltung. Man könnte den Eindruck haben, aß die deutsche Seite dabei doch stark ins Hintertreffen gerät. Daß dem nicht so war, sie vielmehr in iefenschichten des Herzens hinabreichte, zeigt, was
Bleyer unter dem Eindruck eines alten deutschen Wallfahrtsliedes 1914 seinem Tagebuch anvertraut hat: "Aus tausend Wunden bluten wir ... haben niemand, der sich über unser verlassenes deutsches Herz beugt, in der Gefahr Hilfe, Wegweiser sein könnte. Da drückte ich dieses verlassenste Volk unseres ungarischen Vaterlands an mich: Du bist mein und ich bin dein."4
Hat Bleyer mit diesem sehr emotionalen Bekenntnis die wirklichen Empfindungen des Volkes getroffen? War die dabei vorausgesetzte Bewußtheit gefährdeter Identität nicht bloß bei einigen wenigen sensiblen Vertretern desselben vorhanden? Wie weit war in der Masse bereits der indoktrinierte Widersinn, gar keine Deutschen, sondern höchstens deutschsprechende Ungarn zu sein, vorherrschend?
Gustav Gratz 5 hat später diese von Bleyer gelebte und auf den einfachen Mann übertragene doppelte Bindung in Frage gestellt: "Was für eine schreckliche Konfusion es im Kopf der einfachen Menschen hervorrufen kann, wenn man von ihnen verlangt, daß sie sich zugleich zwei Gemeinschaften zugehörig fühlen und zwischen ihren sich daraus ergebenden doppelten Verpflichtungen immer distinguieren können."6 Mit anderen Worten: Ist diese innere Spannung, ist das erst daraus erwachsene Gefühl des Verlassenseins, auf Dauer auszuhalten? Es ist ein typisch ungarndeutsches Problem, nur aus der jahrhundertealten Gemeinsamkeit zu verstehen, das in dieser Tiefe und Intensität anderen nationalen Minderheiten fremd war. War darin nicht schon der Ausbruch entweder in volle Assimilation oder in innere Abwehr alles Magyarischen im eigenen Wesen vorprogrammiert?
Die Schärfe aber erhielt diese Spannung durch die ihr gegenüberstehende Entwicklung des magyarischen Nationalismus. In dem Maße, in dem dieser den alten Hungarus-Patriotismus der Deutschen nicht mehr gelten ließ, sondern nationale Gesinnung mit Assimilationsbereitschaft gleichsetzte, mußte das bis dahin Selbstverständliche zum Problem werden, das eben dieses Gefühl des Verlassenseins hervorrief. Sich als Minderheit "einer bestimmten nationalen Loyalitätsforderung - nämlich der nach freiwilligem Magyarischwerden - verweigern" und damit in einen Politisierungsprozeß eintreten wurde zum Gebot der Selbsterhaltung bis ins letzte Dorf. Da sich die Deutschen indes keineswegs "dem nationalen Prinzip überhaupt verweigern" wollten, fiel es ihnen schwer, ihre Nationalität als "selbständige Erscheinungsform von Großgruppenintegration" zu verstehen.7 Im Gegenteil: Diese schwierige Grenzsituation wirkte sich hier immer wieder als desintegrierende Ratlosigkeit aus und als Zerreißprobe zwischen den nationalitätsbewußt Politisierten und den sich solcher als verboten hingestellten nationalen Politisierung Verweigernden. Letztere wurden damit aber zu unbewußten Mitläufern jener Politisierung, mit der sie das Staatsvolk bewußt indoktrinierte. Dieser Gegensatz, der sich in den folgenden Jahren immer mehr zuspitzte, kann als das eigentliche Thema dieses Zeitabschnitts betrachtet werden, wie er in Bleyers idealistischem Denken noch schlummerte.
1. 3. Erste Versuche der Verwirklichung
Bleyer blieb aber nicht bei diesem einmal niedergelegten Programm stehen. Er steigt von da an immer konsequenter ins politische Leben ein. Dem kirchentreuen Katholiken lag es nahe, seinen Zielen im Rahmen der Christlich-Sozialen Bewegung näherzukommen, die schon aus eigenem Interesse auf die Schwaben als die Bevölkerungsgruppe mit dem größten Katholikenanteil besonderen Wert legen mußte. Für diese gab ihr „Christliches Zentrales Presseunternehmen“ ein eigenes Blatt heraus, die von Pfarrer Johannes Huber8 redigierte Neue Post. Während ihr ursprünglicher spiritus rector, Prälat Alexander Gießwein 9, deutscher Abkunft, seit 1906 Abgeordneter des Wieselburger Wahlkreises, sich für soziale Anliegen, Versöhnung der Völker, eine liberale Nationalitätenpolitik, ja auch für ein sachliches Gespräch mit den Sozialdemokraten einsetzte, schlitterte die Bewegung in ein immer schärferes antisozialistisches und antisemitisches Fahrwasser, was auch für Hubers Blatt galt.
Wie Bleyer damals, noch merkwürdig unkritisch, zwischen einer tieferblickenden Vaterlandsliebe und deren nationalistischer Deformation noch nicht unterschied, so distanziert sich sein christliches Denken auch nicht von den fragwürdigen Tendenzen einer als christlich verstandenen antisemitischer Politik.
So bedient er sich ohne Vorbehalt der Neuen Post, um seine Gedanken unter das Volk zu bringen, wirbt um die Gebildeten, "die bisher so unverantwortlich wenig Herz für unser Volk hatten,"10 steht weiter für die "ungarische Vorherrschaft" ein und will die Deutschen vom Magyarentum in keiner Weise absondern. Kennzeichnend hierfür der Satz: "Alles, was sich auf die Höhe des nationalen Lebens emporschwingt, muß ungarisch sein", und damit meint er auch das höhere Schulwesen.11 Er schreibt das in den letzten Kriegsmonaten, als es schon überall im Gebälk des Staatswesens zu krachen beginnt. Als in dem jahrelangen Streit um ein zeitgemäßes Wahlrecht - aus der Angst vor der Überzahl der Nationalitäten geboren - die Idee auftaucht, die Kenntnis des Ungarischen zur Voraussetzung des Wahlrechts zu machen, bläst ihm zum erstenmal der nationalistische Wind ins Gesicht und er wehrt sich ziemlich hilflos: "Man wirft uns Deutschungarn in einen Topf mit Landesverrätern!"12 Am 27. August 1918 kündigt er an, daß "eine größere Anzahl hervorragender Deutschungarn demnächst mit dem von der Regierung genehmigten Plan eines deutschungarischen Kulturvereins auftreten wird". Als Führer hat er den aus dem Banater Schwabentum hervorgegangenen berühmten Schriftsteller Ferenc Herczeg (ursprünglich Herzog)13 vorgesehen, der zwar ungarisch schrieb, aber auch schwäbische Themen behandelte. Die stürmische Entwicklung der kommenden Monate geht jedoch über diese Pläne hinweg.
Wildmann/Spiegel – 02A
2. Die Revolution 1918-1919
Kaiser Karl machte mit dem überstürzten Manifest vom 16. Oktober 1918 in letzter Minute den Versuch, den sich ankündigenden Zerfall der Monarchie aufzuhalten. Südslawen, Rumänen und Tschechen hatten bereits Nationalräte gebildet, in denen sich alle politischen Richtungen zusammentaten, um ihr Selbstbestimmungsrecht - damals ein Schlagwort in aller Munde - auszuüben. Diesen Nationalräten gab das Manifest jetzt eine Legitimation, ja es forderte auch alle andern "Volksstämme" auf, solche zu bilden.
Noch hoffte der Kaiser, durch einen Föderalismus der Nationalitäten die Monarchie als Gesamtstaat retten zu können, was sich nur allzubald als Irrtum erwies. In Ungarn schlossen sich die Parteien, die schon bisher in einem Wahlrechtsblock zusammengearbeitet hatten, am 25. Oktober zu einem Ungarischen Nationalrat zusammen. Er umfaßte die 22 aus der Unabhängigkeitspartei ausgetretenen Abgeordneten der Friedensgruppe unter Graf Michael Károlyi14, die um die Zeitschrift Huszadik Század (Zwanzigstes Jahrhundert) gesammelten Liberalen unter Oskar Jászi15
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1 Schödl, Günter: Deutsche Geschichte im Osten Europas. Land an der Donau. Berlin 1995, S. 12
2 Nach Schwind, Hedwig: Jakob Bleyer. Ein Vorkämpfer und Erwecker des ungarländischen Deutschtums. München 1960, S. 41. Schwind hat den seither verlorengegangenen Bleyer-Nachlaß noch einsehen können.
3 März 1917 in beiden Blättern.
4 von Pukánszky, Béla: Bleyer-Nachruf. Deutsche Hefte für Volks- und Kulturbodenforschung 1934.
5Gustav Gratz (1875-1946); Journalist, Historiker, Politiker, ungarischer Außenminister 1921. Geb. in Pressburg, Studium der Rechtswissenschaft, vor allem als Journalist tätig. 1899 Mitbegründer der bürgerlich-radikalen Zeitschrift Huszadik Század [Zwanzigstes Jahrhundert]. Von 1906 bis 1918 für den Wahlkreis Leschkirch bei Hermannstadt im ungarischen Parlament. 1917 Sektionschef für Wirtschaftsfragen im k.u.k. Außenministerium in Wien. 1917 zeitweilig ungar. Finanzminister, 1917/18 Mitglied der österr.-ungar. Delegation bei den Friedensverhandlungen mit Rußland in Brest-Litovsk und mit Rumänien in Bukarest. 1919 Gesandter Ungarns in Wien, in der Teleki-Regierung 1921 kurzzeitig Außenminister und Nationalitätenminister. Als Legitimist an beiden Rückkehrversuchen König Karls IV. beteiligt, daher 1921-1922 verhaftet. Parlamentsabgeordneter 1926-1935 (Wahlkreis Bonyhád) und 1939-1945 (Wahlkreises Budapest-Nord). Bedeutend als Historiker, Wirtschaftsfachmann und Chefredakteur der jüdisch-liberalen Zeitung Pesti Napló. Auf Wunsch des Ministerpräsidenten BETHLEN übernahm er 1924 den Vorsitz des Ungarländischen Deutschen Volksbildungsvereins. JAKOB BLEYER daher nur geschäftsführender Vizepräsident. G. hatte den Vorsitz bis Ende 1938 inne und trat erst mit der Gründung des „Volksbundes der Deutschen in Ungarn“ zurück. Am 19.3.1944 von der Gestapo verhaftet, KZ-Haft, 1945 Rückkehr nach Budapest.
6 Magyar Szemle (Ungarische Rundschau) August 1932, S. 304
7 Schödl, a.a.O. S. 13
8 Dr. Johannes Huber (1877-1947), kath. Geistlicher, bewährte sich als Volkstumskämpfer; seit 1912 Schriftleiter des „Christlich-Sozialen Volksblattes“ und ab 1917 der „Neuen Post“, trat unerschrocken für die Rechte der Ungarndeutschen ein. Die „Neue Post“ war von 1917 bis zur Gründung des „Sonntagsblattes“ (Januar 1921) Bleyers Hauptorgan. Zu Hubers Mitarbeiterkreis gehörten Johannes Faul-Farkas, der aus Filipowa, Batschka, stammende Anton König und die Pfarrer Franz Hufnagel und Josef Varga. Vgl. Hedwig Schwind, Jakob Bleyer. Ein Vorkämpfer und Erwecker des ungarländischen Deutschtums, München 1960, S. 52 u. 94.
9 Alexander Gießwein (1856-1923), Prälat, führender christlich-sozialer Politiker, trat mit den Siebenbürger Sachsen für eine kulturelle, sprachliche und oprganisatorische Verselbständigung der deutschen Volksgruppe Ungarns ein, Gegenpol zu den „rechts-katholischen“ Klerikal-Konservativen.
10 Neue Post, 13. 02. 1918
11 A.a.O. 10. 05. 1918
12 A.a.O. 19. 05. 1918
13 Herczeg, Ferenc (1863-1954), Schriftsteller, Journalist, Mitglied der Ung. Akademie der Wissenschaften, Sohn der schwäbischen Familie Herzog aus Werschetz, Banat, Piaristengymnasium in Segedin, Studium in Budapest, Redakteur beim nationalistischen Budapesti Hirlap. Vertrat die Auffassung, die Magyarisierung der aus dem schwäbischen Bauerntum entstammenden „Intelligenz“ genüge zum weiteren Aufbau des ungarischen Nationalstaates, vgl. Schwind, a.a.O. 42. Ab 1919 aktives Mitglied der revisionistischen Bewegung, ab 1929 deren Leiter. Vom Horthy-Regime als einer der führenden ungarischen Schriftsteller gefeiert, daher Erscheinungsverbot seiner Werke in der kommunistischen Ära (bis 1980).
Wildmann
14 Graf Michael Károlyi ( ) sympathisierte mit den Entente-Mächten, arbeitete mit den Sozialdemokraten zusammen, wohl ein ehrgeiziger schwärmerischer Ideologe, der allmählich zum marxistischen Revolutionär wurde; verfolgte ein pazifistisches, demokratisches Programm; agitierte für einen Sonderfrieden mit der Entente. Nach Auflösung der Partei Koloman Tiszas und dessen Ermordung trat auch Ministerpäsident Alexander Wekerle zurück, worauf der neugebildete Nationalrat Károlyi zum Ministerpräsidenten bestimmte. Vgl. Schwind, a.a.O., S. 55.
15 Jászi, Oskár (1875-1957); Politiker, Universitätslehrer, Soziologe, Theoretiker und Präsident der Bürgerlich-Radikalen Landespartei in der Zeit des Dualismus, Chefredakteur obengenannter Zeitschrift; 1918 Mitglied des Nationalrats, Nationalitätenminister in der Károly-Regierung, als solcher für die Umgestaltung Ungarns in eine „östliche Schweiz“ mit Gleichberechtigung aller Nationalitäten und Ablehnung der Zerteilung Großungarns, 1919 Flucht vor der Räterepublik ins Ausland und Emigration in die USA.
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und die Sozialdemokraten im engen Bund mit den Gewerkschaften, deren Mitgliederzahl sich auf 215.000 verdreifacht hatte und in den nächsten Monaten - Politisierung als Folge drückender Not - auf eine Million anstieg.16 Dieser Nationalrat übernahmen am 31. Oktober 1918 die Regierung, erklärte Ungarn zur unabhängigen Republik und lösten das Parlament auf.
2.1. Die beiden Volksräte
Am selben Tag gründete Bleyer den Deutsch-Ungarischen Volksrat diesseits des Königsteigs. Mit dieser geographischem Bezeichnung schloß er die ihm fremden Siebenbürger Sachsen und die auf Rudolf Brandsch17 zurückgeführten alldeutschen Einflüsse, aber ebenso auch die bedeutende deutsche Sektion der sozialdemokratischen Partei aus. Dann aber schien auch Bleyer vom Orkan der Geschichte mitgerissen worden zu sein. So erklärte er vor dem Nationalitätenminister, den es in der Revolutionsregierung zum erstenmal gab, dem seit 1912 die Nationalitätenpolitik verurteilenden Oskar Jászi, "unser Treuegelöbnis gegenüber der ungarischen Nation nur solange für bindend, als diese nicht auf die ungarische Rasse beschränkt wird und die Integrität des Staates Ungarn in seiner Gänze bewahrt werden kann. Im entgegengesetzten Fall behalten wir unser Selbstbestimmungsrecht ohne Einschränkung uns selbst vor." Und er forderte für die Deutschen alle Rechte, "die durch das neu zu gestaltende Ungarn allen andern Volksstämmen zugesichert werden."18
Brandsch versuchte vergeblich, mit seinem Führungsanspruch in diesen Volksrat einzudringen.19 Nachdem ihm das nicht gelang, gründete er, gestützt auf die Siebenbürger Sachsen, die Volkspartei und ihre Ableger sowie auf die deutschen Sozialdemokraten, nunmehr auf breiter Basis am 10. November 1918 seinen Deutschen Volksrat für Ungarn. Die deutschen Sozialdemokraten hatten schon vorher das Regierungsprogramm als "Befreiung aus der nationaler Bevormundung" begrüßt und einen Deutschen Arbeiter- und Bauernrat gegründet.20
Während sich die anderen nationalen Gruppen über alles Trennende hinweg zusammenschlossen, führte die politische Aufsplitterung bei den Ungarndeutschen zu einem gehässigen Kampf.21
Schon am 1. November hatte sich Bleyer von Brandsch distanziert. Zwar sah er sich in vier Forderungen mit diesem einig: Errichtung deutscher Volksschulen und eines Kulturvereins, Leitung der Ungarndeutschen durch die aus ihnen hervorgegangenen Führungspersönlichkeiten, Gebrauch der Muttersprache bei den Behörden sowie die Organisierung des Wirtschaftsbereichs. Den eigentlichen Unterschied sah er in der Haltung zur Staatsnation.22
Noch am Gründungstag überreichte der neue Volksrat Jászi eine Denkschrift mit seinen Forderungen: Selbstbestimmungsrecht im Rahmen des ungarischen Staates, kulturelle, besonders schulische Autonomie, völkisch einheitliche Verwaltungsgebiete, ungehinderter Gebrauch der Muttersprache auf allen Ebenen, Gesetze, die diese Rechte sichern, und Bürgschaften für deren Einhaltung. Bleyers Volksrat wurde aufgefordert, beizutreten. Neun Sitze blieben ihm im Vorstand vorbehalten.23
Im Namen des Volksrats richtete Dr. Guido Gündisch24 einen offenen Brief an Bleyer, in dem er herausstrich, der Hauptunterschied zwischen beiden Volksräten rühre daher, daß Bleyer christlich-sozial, somit klerikal, eingebunden sei und darum weder von den Sozialdemokraten noch den evangelischen Sachsen etwas wissen wolle. Der Deutsche Volksrat achte Bleyers politisches Bekenntnis, nicht aber den Anspruch, damit das gesamte Deutschtum Ungarns zu vertreten. "Treten Sie bei und wir werden Ihnen die Toleranz zeigen, die Sie vermissen lassen."25
Zunächst gab es zahlreiche Anmeldungen für Bleyers Volksrat sowohl von lokalen Organisationen aus der Zips, dem Banat26 und vom Bonyháder Bauernbund27 als auch von führenden Einzelpersonen wie den Prälaten Alexander Gießwein und Franz Blaskovics.28 Dann aber wendete sich das Blatt und immer mehr Gruppen und Persönlichkeiten gingen zu Brandsch über. Das war ein neuer Zwang zu politischen Entscheidungen, der in dieser aufgewühlten Zeit immer breitere Schichten erreichte. Unter dem Druck Jászis, der ein einiges Gegenüber brauchte, kam es zu Jahresschluß 1918 zur Errichtung eines gemeinsamen Zentralausschusses,29 doch erwies sich in den großen, von Serben, Rumänen und Tschechen besetzten Landesteilen ein Einwirken aus Budapest als immer schwieriger. Wie eine Bombe schlug die unter Mitwirkung von Brandsch am 8. Januar 1919 im siebenbürgischen Mediasch zustande gekommene Entschließung der Sächsischen Nationalversammlung ein, die, sich den "neuen Tatsachen" beugend, den Anschluß Siebenbürgens an Rumänien bejahte.30 Damit fiel Rudolf Brandsch nicht nur für die ungarische Diskussion aus, er wurde auch als Vaterlandsverräter beschimpft.
2.2. Oskar Jászis Nationalitätenpolitik: Schwerpunkt deutsche Schulen
Jászis Versuche, die landflüchtigen Nationalitäten zurückzugewinnen, erlitten - zu spät gekommen - durchwegs Schiffbruch. Als Experimentierfeld für eine überzeugende Nationalitätenpolitik blieben nur südslawische und slowakische Gruppen sowie in erster Linie ein beachtlicher Teil des Deutschtums übrig.
Schon am 22. November 1918 führte eine Verordnung des Unterrichtsministers Márton Lovászy den muttersprachlichen Unterricht wieder ein. Die Schulstühle sollten sofort die Frage der Unterrichtssprache behandeln. Nach einem späteren, vom November 1920 datierten zusammenfassenden Bericht des evangelischen Seniors von Tolna-Baranya-Somogy, Scholl, drängte das Volk selbst überall auf die Einführung der deutschen Unterrichtssprache, und es kostete viel Geschick, daß von Ort zu Ort das Ungarische nicht ganz aus der Schule verdrängt wurde.31 Trotzdem zog sich die Umstellung über Monate hin und wurde in vielen Orten erst in der Zeit der Räterepublik durchgeführt, deren Deutsches Volkskommissariat schließlich in 500 Schulen die deutsche Unterrichtssprache eingeführt hatte. Auch da noch bestätigt der Bonyháder Oberstuhlrichter, daß "die deutsche Bevölkerung die Ansprüche auf intensiveren Unterricht in der deutschen Sprache erhob."32 So zeigte sich, daß in dieser es elementar berührenden Frage das Volk aktiv von den ihm wiedergegebenen Rechten Gebrauch machte. László Szita bringt eine Reihe von Beispielen aus einzelnen Gemeinden.33
2.3. Das Autonomiegesetz
Die Wiedereinführung des muttersprachlichen Unterrichts war zwar die dringendste Maßnahme in seiner Natuionalitätenpolitik, aber darin erschöpfte sich Oszkár Jászis Konzeption einer "östlichen Schweiz" nicht. Er strebte einen Nationalitätenföderalismus auf der Grundlage autonomer Gebiete an. So handelte er das "Volksgesetz über die Ausübung des Selbstbestimmungsrechts des ungarländischen deutschen Volkes" aus, das allerdings erst nach seiner Demission am 29. Januar 1919 erschien. Bei diesen Verhandlungen hatten besonders die westungarischen Deutschen starken Druck ausgeübt. Ihnen bot sich nämlich überraschend auch die Möglichkeit des Anschlusses an Österreich an, mit dem sie wirtschaftlich enger verbunden waren als mit Ungarn.34
Das Gesetz gebraucht den Ausdruck "deutsche Nation" und bricht damit mit Ferenc Deáks Terminologie der “einen ungarischen Nation”.35 Gesetzgebende Organe dieser Nation sind die Deutsche Nationalversammlung, die in allgemeiner geheimer Abstimmung gewählt werden soll, das Deutsche Ministerium und die Gouvernements. Bis zur Wahl der Nationalversammlung wird ein deutscher Landesregierungsausschuß gebildet, der aus je vier Vertretern der beiden Volksräte und je zwei der autonomen Gebiete bestehen soll. Als autonome Gebiete werden später in dem von Ungarn noch kontrollierten Gebiet die Landesteile Westungarn, Schwäbische Türkei und Mitte vorgesehen. Allerdings kam die Konstituierung nur in Westungarn voran. Deutscher Minister wurde Johann Junker, ein Banater Schwabe, bisher Tafelrichter in Szeged, dem der Sozialdemokrat Heinrich Kalmár und der Sachse Dr. Peter Jekel als Staatssekretäre zur Seite standen.
Im voraus informiert, hatte Jakob Bleyer in einem Artikel vor dem zu Erwartende gewarnt.36 Schon vorher hatte er mit Johannes Huber, Lorenz Landgraf und dem Generalstabsoffizier Heinrich Werth die Deutsche Christlich-Soziale Partei gegründet.37 Nachdem ihm die Einung der Ungarndeutschen auf seiner Grundlage nicht gelungen war, sah er nüchtern die kommenden politischen Schwierigkeiten voraus, wenn er schreibt: "In welcher Richtung immer die deutsche Frage ihre Lösung fände, die Möglichkeit der Schwierigkeiten, Reibungen, Interessengegensätze, Verbitterungen ist nicht abzusehen. Eben darum darf man nur mit der größten Vorsicht, Umsicht und Voraussicht an dieses Problem rühren." Wieder unterstreicht er das gegenseitige Aufeinanderangewiesensein. Aber: "Die Volksregierung ist in ihrem blinden Eifer darüber (über das Gesetz von 1868, Anm. d. V.) hinausgegangen und hat auch ins Deutschtum den Gedanken der nationalen Autonomie hineingeworfen." Da müsse man vorher wissen, was von Ungarn übrigbleibt, denn "wenn fast nur noch Rassemagyaren zum ungarischen Staat gehören, ist es klar, daß von Kantonsystem und östlicher Schweiz keine Rede sein kann." Aber das werde die Friedenskonferenz wohl ebenso entscheiden wie die Festlegung der Rechte der nationalen Minderheiten. Alles, was darüber hinausginge, vergleicht er mit einer Operette. Brandsch, Gündisch und andere Sachsen, die von einem von der Leitha bis zur Wolga reichendes von den Staatsgrenzen unabhängigen Ostdeutschland träumten, verfolgten eine genau so totgeborene Idee wie das von ihnen propagierte Karpathendeutschtum. (Hier bezieht er sich auf die Aktionen des Czernowitzer Professors Kaindl). Darum mahnt er, "die Hände nicht der sich zusammenbrauenden Tragikomödie zu reichen." Der Volksrat konnte sich indes der Zustimmung zum Gesetz nicht entziehen, und so legte Bleyer dessen Vorsitz nieder.
Auf der andern Seite wurde das Gesetz enthusiastisch begrüßt. Am 11. Februar 1919 fand eine große deutsche Volksversammlung statt. Jászi, der schon vorher38 das Gesetz als "Weg zu den Vereinigten Staaten von Europa" begrüßt hatte und prophetisch warnte, daß bei einer entgegengesetzten Politik "nach zwei Jahrzehnten der zweite Weltkrieg unvermeidlich” sei, begrüßte sie als "das Geburtsfest der deutschen Nation Ungarns". Gießwein, der auch schon vorher geschrieben hatte, daß "unsere Mitbürger deutscher Nation an der künftigen kulturellen führenden Rolle des deutschen Volkes wieder teilnehmen werden, wie sie es früher taten"39, bezeichnete jetzt den Bundesstaat als das neue Ideal und maß der Autonomie der Deutschen hohe Bedeutung für den Fortschritt der Menschheit bei. Die Versammlung forderte "die sofortige und restlose Durchführung des Gesetzes, damit jede Gefahr eines Rückfalls in die alte Nationalitätenpolitik für immer überwunden werde."40
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16 Nevelö, Irén: A háború és a magyarországi munkásság (Der Krieg und die ungarische Arbeiterschaft), Budapest 1980, S. 175.
17 Rudolf Brandsch, (1880-1953), Siebenbürger Sachse, Studium der Theologie und Philosophie in Marburg/Lahn, Klausenburg, Berlin und Jena; Oberlehrerexamen, ab 1904 Schuldienst in Siebenbürgen, namentlich in Hermannstadt; ab 1913 Berufspolitiker, große Rednergabe und Volkstümlichkeit, organisierte in Hermannstadt die kleinen Gewerbetreibenden und Handwerker gegen das städtische Patriziat. 1910-1918 Reichstagsabgeordneter im ungarischen Parlament, setzte sich für ein Zusammengehen der Siebenbürger Sachsen mit den Banater Schwaben ein. Nach der Gründung des „Deutsch-Ungarischen Kulturrates" 1911 beauftragt mit Vermittlung von Stipendien für begabte schwäbische Schüler in Siebenbürgen; 1913 Gründer und 1913-1914 Leiter des Deutschen Bauernwesens in den deutschen Siedlungsgebieten Ungarns; zeitweilig Fronteinsatz als Offizier. Nach dem Zusammenbruch der österreich-ungarischen Monarchie am 10.11.1918 Gründer und Mitglied des dreiköpfigen Vorstands des Deutschen Volksrates für Ungarn. 1919 bis 1933 Abgeordneter im rumänischen Parlament; bis 1922 Vorsitzender der „Deutschen Parlamentspartei“; 1922 Initiator und von 1922 bis 1933 der erste Vorsitzende des Verbandes der deutschen Volksgruppen in Europa sowie 1927-1933 Mitherausgeber von dessen Organ „Nation und Staat. Stand nach 1935 der DVR nahe; von 1938 bis 1944 im rumänischen Innenministerium tätig. 1952 vom rumänischen Geheimdienst ins Gefängnis gebracht, in Lagerhaft verstorben.
18 Neue Post, 10. 11. 1918, Pester Lloyd, 7. 11. 1918.
19 Neue Post, 9. 11. 1918.
20 Pester Lloyd, 6. 11. 1918.
21 Pester Lloyd und Neues Budapester Abendblatt, 13.11.1918; Neue Post 12., 14., 18., 22., 24., 30. 11.; 1. 12. 1918, 11.1., 15.1., 31.1. 1919; Westungarischer Grenzbote, 23.11.1918; Neues Politisches Volksblatt, 17. 1. 1919, Deutsches Tagblatt, 8.3.1919
22 Pester Lloyd, 1.11.1918
23 A.a.O. 12.11.1918
24 Guido Gündisch (1884- ), Siebenbürger Sachse, geb. in Hermannstadt, Rechtsanwalt, 1910-18 Abgeordneter der Regierungspartei, in Budapest vielseitig tätig.
25 A.a.O. 13.11.1918
26 A.a.O. 6.11.1918
27 Neue Post, 2.11.1918
28 Pester Lloyd, 3.11. 1918; Neue Post, 1.11.1918.
Franz Blaskovics, (1864-1937), Dompropst, Generalvikar des Temeschburger Bistums Piaristengymnasium Temeswar, 1882 Abitur; 1882-86 Theologiestudium Wien, Priesterweihe in Temeswar; 1886 - 93 Herausgeber und Schriftl. des Wochenblatts „Der Landbote"; 1886–87, 1887-89 Supplentprofessor für Bibelstudien und für Deutsche Sprache am Temeschburger Priesterseminar; 1889-94 Armenanwalt des Bistums Tschanad; 1893-1918 Schriftl. und Herausgeber der Zeitung „Der Freimütige"; 1895 Direktor der „Südungarischen Landwirtschaftsbank"; 1919-33 Obmann des „Südungarischen Landwirtschaftsvereins" bzw. des „Banater Landwirtschaftsvereins"; 1896-1904 Mitglied des Ungarischen Reichstags; 1904-37 Domherr der Tschanader bzw. der Temeschburger Diözese; 1906 Diözesanschulinspektor; nach dem I. Weltkrieg Abkehr von der magyarophilen Haltung, Mitbegründer der „Schwäbischen Autonomiepartei"; 1921Obmannstellvertreter der „Donauschwäbischen Volksgemeinschaft", Sprecher im „Verband der Deutschen in Rumänien"; bei der Errichtung der „Banatia", der „Deutschenkatholischen Lehrerbildungsanstalt" Temeschburg und der Woiteger Ackerbauschule maßgeblich beteiligt; Direktionsmitglied der „Schwäbischen Verlags-AG“; Mitherausgeber der „Banater Deutschen Zeitung"; Generaldirektor der „Schwäbischen Zentralbank-A.G."; 1926 - 27 Senator Bukarest; 1926-37 Dompropst.
29 Pester Lloyd, 1.1.1919.
30 Genau dargestellt in Roth, Harald: Der Deutsch-sächsische Nationalrat. Siebenbürgen 1918/19, München 1993.
31 Szita, László: A nemzetségi nyelvtanitás a Délkelet-Dunántúl a két világháború közötti idöszak oktatásügyi statisztikájának tükrében (Der Unterricht der Nationalitätensprachen in Südost-Transdanubien im Spiegel der Schulstatistik der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen), Baranyai Levéltár Füzetek (Branauer Archivhefte), Pécs 1986, S. 603.
32 Szita, a.a.O., S. 603ff.
33 Szita, a.a.O. S. 609ff.
34 Népszava (Volksstimme), 3. u. 7. 12. 1918; Pester Lloyd, 28.11.; 2., 5., 8., 28., 31. 12. 1918; Neues Politisches Volksblatt, 19., 21., u. 26. 1.1919.
35 Vgl. Senz, Ingomar (Hrsg.): Donauschwäbische Geschichte, Bd. II., Universitas, München 1997, 187ff.
36 Budapesti Hirlap (Budapester Nachrichtenblatt), 25.1.1919.
37 Volksstimme, 21.1.1919.
38 Neues Politisches Volksblatt, 31.1.1919
39 A.a.O. 9.2., 25.2. 1919.
40 A.a.O., 11.2.1919; Deutsches Tagblatt, 11.2.1919
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